Aus: Die Bayerische Landbötin: 1839, 1bayerische landbötin

Ansbach im Januar 1839 von Johann Maria Pedrazzi

Die Gemeinde Schalkhausen bei Ansbach.

Zu der bereits in diesen Blättern bekannt gegebenen Weihe der Kirche von Schalkhausen, wird eine Notiz über die Gründung dieser Gemeinde und deren Kirche selbst, welche hier gedrängt folgt, gewiß nicht unwillkommen seyn, Von Ansbach gegen Abend ein kleines Stündchen entfernt, liegt zwischen waldigen Bergen und blumigten Hügeln in einem sehr fruchtbaren Thale, an einem Holzbache, Schalkhausen, welches nach früheren Urkunden Schalchusen auch Scalkehusen genannt wurde, dessen Boden ehedem zu den Besitzungen der Edlen von Dornberg gehörte. Nach der Legende hatte sich im zwölften Jahrhunderte die Tochter des Edlen Rudolph von Dornberg, Sophia, auf einer ihrer einsamen Wanderungen in das Thal, begleitet von einem Schäfchen, welches sie auferzogen hatte, im Walde verirrt. Schon hatte Sophie zwei Tage vergeblich einen Ausgang zu finden gesucht, schon glaubte die blühende Jungfrau von Hunger und Durst ermattet, in dem dunklen Walde, in welchem sie das Geheul der Bären u. Wölfe verfolgte, ihr Leben enden zu müssen, als dieselbe durch das Geläute eines Klausners aufmerksam gemacht, auf dasselbe zueilte, und in diesem frommen Manne auch ihren Retter fand, welcher Sophien wieder zu ihren Eltern auf die Burg Dornburg führte. Aus Dankbarkeit ließ das Burgfräulein an der Stelle, wo die keine Waldkapelle stand zur Ehre Gottes der heiligen Jungfrau Maria St. Clais (Nicolaus), so wie aller Heiligen ein schönes Gotteshaus erbauen. Getreu ihrem Gelübde, ihr reines Herz nur dem himmlischen Bräutigam zu weihen, nahm sie später den Schleier in dem von den Grafen Ludwig von Oettingen gestifteten Kloster Kirchheim, Cistersienser Ordens, in welchen sie auch später zur Aebtissin erwählt, ihr frommes Leben endet. In der Kapelle der Aebtissinen ist inwendig über der Thüre das Wappen der Edlen von Dornberg angemalt, welches die dereinstige Anwesenheit des Fräuleins beurkundet. Im Jahre 1264 wurde das Kirchlein zu Schalkhausen erweitert, von den Edlen von Dornberg zur Unterhaltung eines Priesters ein Fond dotirt, und zur Ehre Gottes, so wie der bereits obenbezeichneten Heiligen, wiederholt eingeweiht. Nach dem am 3. September des Jahres 1288 erfolgten Tode des Edlen Wolfram von Dornberg kam Schalkhausen an dessen Tochtermann, den Grafen Ludwigen von Oettingen in dessem Besitz dasselbe 45 Jahre blieb. Am 5. Mai 1331 verkaufte Graf Ludwig von Oettingen Schalkhausen mit seinen Besitzungen zu Onolzbach für ein rechts Lehen, wie er es von dem Bischofe zu Würzburg gehabt hatte, an seinen Oheim den Burggrafen Friedrich von Nürnberg für die Gesammtsumme von 23000 Pfund Heller. In den ältesten Zeiten gehörte die Kirche zu Schalkhausen zur Probstei Onolzbach und zum Archidiakonat im Rangau. Wegen der bezeugten Parteilichkeit in den Streitigkeiten Kaiser Ludwig des Bayer mit den Päpsten wurde die Gemeinde mit dem Interdict belegt, in Jahre 1349 aber davon wieder freigesprochen. Im Jahre 1352 wurde ein neuer Altar in der Kirche gebaut, mit verschiedenen Reliquien, besonders aber mit einigen Ueberbeibseln vom Körper des heiligen Gumbertus beschenkt, und zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria, Johannes des Täufers und der heiligen Otilia eingeweiht und darauf im Jahre 1370 der Kirchthurm neu gebaut. Bald darauf wurde die Pfarrei mit der zu Neunkirchen vereiniget, und erst im Jahre 1435 erhielt dieselbe einen eigenen Geistlichen wieder. Als im Jahre 1525 der Bauernkrieg seine Schrecken über die blühenden Fluren des schönen Frankenlandes verbreitete, und von den tollen Bauern die nahe gelegene Burg Dornberg zerstört wurde, ward auch die Gemeinde Schalkhausen sehr hart bedrängt. Ein gleiches Schicksal traf diese Gemeinde im 30jährigen Kriege, und namentlich in den Jahren 1645, 1646 und 1647, wo deren Wohlstand durch die vielen feindlichen Einfälle so herabsank, daß sich mehrere Bewohner nach dem nahen Onolzbach flüchteten und zuletzt der bessern Unterhaltung eines Geistlichen wegen, die Pfarreien Elpersdorf und Neunkirchen, Schalkhausen einverleibt werden mußten. Mehreren Beschädigungen durch den Blitz war der Kirchthurm dieser Gemeinde ausgesetzt, und zwar am 14. July 1617, am 22. Juni 1657, wo auch der damals anwesende Kirchner getödtet wurde, dann am 23. April 1700, wobei auch mehrere Personen beschädigt wurden. Im Jahre 1716 erhielt die Kirche eine neue Orgel, 1719 neue Glocken und 1757 eine neue Uhr auf den Thurm. Schalkhausen ist eine von den wenigen Gemeinden deren Kirchenaltar bis auf den heutigen Tag mit seinen wahrhaft schönen und denkwürdigen alten Monumenten gut erhalten wurde. Ein auf demselben angebrachtes Oelgemälde, welches die Jahrzahl 1520 führt, zeigt das Burgfräulein Sophie, ihr Schäfchen an der Seite auf einer ihrer Wanderungen; im Hintergrunde des Gemäldes sieht man in blauer Ferne die ehemalige Burg Dornberg. Der Altar ist theils mit den vergoldeten Brustbildern, theils in ganzer Figur sich zeigenden Heiligen, als: der Jungfrau Maria, so der h. Otillia und Katharina von Siena, dann des heil. Gumbertus, Vitus, Laurentius, Georg als Patron der Dornberger Ritterschaft, Michael, Nikolaus, Bartholomäus, sowie des Kaisers Heinrich und seiner Gemahlin Kunigunda geschmückt. Im Dorfe selbst, und zwar im Garten des Bauers Blümlein, zeigen sich noch die Spuren der ehemaligen Burg der Eden von Dornberg, welche nicht unwahrscheinlich älter als die Stadt Ansbach selbst ist. Dieselbe war auf einer Anhöhe in die Runde gebaut, mit einem Graben umgeben, und hatte gegen die Mitte einen starken viereckigen Thurm, welcher 19 Schuh tief unter der Erde stand, was sich bei dessen Ausgrabung 1757 ergab. Jahrhunderte sind vorüber gegangen und nur die Geschichte nennt uns noch das längst ausgestorbene Geschlecht der Edlen Freien von Dornberg, sowie des heiligen Gumbertus; doch wohl kehrt kein Besucher von den denkwürdigen Stellen zurück, ohne mit dankbarem, doch wehmüthigem Gefühle, der grauen Vorzeit und ihrer Geschlechter sich zu erinnern.

Ansbach im Januar 1839.                            

Johann Maria Pedrazzi