... brauche ich ständig. Ich sitze gerade im Zug und verreise: Sechs Stunden bin ich unterwegs! Das dauert, natürlich kann man Oboenkonzerte hören, Netflix schauen oder mobil arbeiten und z.B. Gemeindebriefartikel schreiben. Aber bis man endlich am Ziel ist, das dauert. Es hilft schon etwas, sich abzulenken: Durch Kopfhörer nichts von der Außenwelt mitzubekommen. Aber auf die Dauer will man dann doch endlich am Ziel
ankommen. Geduld haben, bis man angekommen ist.
Bei einer Reise weiß ich ungefähr, wann ich am Ziel bin; mehr oder weniger. Mein ICE hat 70 Minuten Verspätung, aber mit dem Auto kann man auch in einen Stau kommen. Aber ich weiß trotzdem, dass ich – wenn auch eine halbe Stunde später – an meinem gewünschten Ziel ankomme. Aber im Leben, wenn ich auf ein Ergebnis oder eine Wende in meinem Leben warten muss; wenn ein Projekt auf der Arbeit einfach nicht vorankommen will, obwohl ich mein Bestes gebe: Wir brauchen an so vielen Stellen in unserem Leben Geduld.
Geduldiger werden – zwei Taktiken
in Ihrer Lage wesentlich bedrohter. Da kann es helfen, sich mit Bodenhaftung den Herausforderungen zu stellen. Die zweite Taktik: Dankbar auf das schauen, was schon Gutes da ist; auf das, wo ich immer noch gesegnet bin. „Das Leben ist Kampf und Segen, Kampf und Segen, Kampf und Segen und meistens gibt es beides gleichzeitig in unserem Leben“, hat einmal ein Pastor gesagt. Ich bin dankbar für ein Dach über dem Kopf, für eine Gemeinschaft, in der ich aufgehoben bin, für meine Arbeit, die mir Freude bereitet. Ich denke, Sie finden selbst einiges in Ihrem Leben.
Hoffnung in Geduld
Gott verhindert nicht alle Herausforderungen, aber er gibt uns die Chance, in jeder Herausforderung zu wachsen. Für mich ist, in Sachen Geduld, Josef aus dem Alten Testament ein Vorbild. Was dieser Mann an Geduld entwickeln muss! Aber es dient ihm auch zur Entwicklung seines Charakters. Er wird von seinen Brüdern verkauft, zu Unrecht ins Gefängnis geworfen, deutet die Träume des Mundschenks, der ihn dann vergisst. Im Gefängnis bereitet Gott ihn vor: Er versorgt die Gefangenen mit Essen und so kann er später vom Palast als Stellvertreter des Pharao das ganze ägyptische Reich versorgen. Vor ihm beginnt er mit den Worten, „Es steht nicht in meiner Macht, das zu tun, Majestät … nur Gott kann es.“ (Gen. 41,16).
Wir sehen, wie viel klüger Josef inzwischen ist. Die Selbstsicherheit und Prahlerei seiner Jugend sind einem festen Gottvertrauen gewichen. Und am Ende kann Josef seinen Sohn Manasse nennen (was soviel bedeutet wie „Er lässt vergessen“). „Denn Gott“, sprach Josef, „hat mich vergessen lassen, all mein Unglück und mein ganzes Vaterhaus.“ (Gen 41,51). Gott hat Josef den Verlust seiner Familie und sein Unglück vergessen lassen. Am Ende erklärt er den Brüdern: „Ihr dachtet, es böse zu tun. Gott aber hat es gut gemacht.“ (Gen 50, 20). Josef erkennt: Gott hat ihn in allem Leid und aller Verlassenheit vorbereitet, Ägypten und seine Familie zu retten. Durch Verlassenheit, Zerbrochenes und Leid findet er Frieden. Er hat Gottes Begleitung erlebt, weil Gott ihn sein Unglück hat vergessen lassen.
Das ist auch meine geduldige Hoffnung, und ich wünsche Ihnen, dass es auch Ihre Hoffnung in Geduld wird: Du, mein Gott, wirst es gut gemacht haben und du wirst mich mein Unglück und die Verluste vergessen lassen.
Ihr Pfarrer Jonathan Gerber