Am Anfang eines neuen Abschnittes, sei es beruflich nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt oder nach einem Jobwechsel oder am Anfang eines Jahres, kommt ganz automatisch die Frage: Was kommt jetzt? Welche Projekte, Aufgaben, Herausforderungen oder Ziele müssen oder wollen verfolgt werden?
Viele geben sich zum neuen Jahr Vorsätze, die sie verfolgen möchten. Manche gesteckten Ziele werden wir erreichen, manche vielleicht nicht. Mit einigen Vorhaben werden wir Erfolge feiern, über die sich andere und wir uns freuen werden. Wenn wir scheitern, dann werden andere oder wir vielleicht von uns
enttäuscht sein. Es ist gut, dass wir planen, handeln und denken.
Der Jakobusbrief erinnert uns aber daran, dass wir in all unserem „Dichten und Trachten“ den großen Plan Gottes berücksichtigen:
„Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen – und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Dunst seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ Jakobus 4, 13-15 (Basisbibel)
Einmal hat mir ein Vater eines sehr früh geborenen Kindes dazu gesagt: „Wenn man in der Knopf‘schen Kinderklinik in Nürnberg ein- und ausgeht und die Einen gehen glücklich mit ihrem Kind heim und die Anderen gehen mit Trauer nach Hause und man selbst kann nichts machen und muss ohnmächtig zuschauen, was mit dem eigenen Kind passiert. Dann merkst du, was für ein kleines Rädchen du im großen Universum Gottes bist.“
Der Mensch kann vieles planen, strukturieren, ordnen, erbauen, erschaffen, berücksichtigen und wirken. Gleichzeitig ist er nicht der Herr über sein Leben. Gleichzeitig zerrinnt in unseren Händen unser Leben und unsere geschenkte Zeit. Im Volksmund wurde aus der oben zitierten Stelle die „sub conditione Jacobaea“ der Vorbehalt nach Jakobus: So Gott will und wir leben. Es erinnert: Wenn etwas geschieht und glückt, ist es, dass unser Tun und der Wille und Segen Gottes zusammenkommen. Wenn etwas nicht gelingt, heißt das nicht automatisch, dass wir gescheitert sind oder versagt haben. Vieles haben wir nicht in der Hand. In vielem Scheitern, Verlust und Zerbrechen sehen wir keinen Sinn.
Dazu hat mir eine Psychotherapeutin überraschend geraten, dass bei schweren Schicksalsschlägen zur Bewältigung wichtig ist, für sich irgendwann auch die Sinnfrage geklärt zu haben. Dabei kann der christliche Glaube helfen. Wenn wir den Sinn in der einen oder anderen Situation nicht sehen, können wir sagen: Ich sehe keinen Sinn, aber ich vertraue dir, Gott, dass trotzdem einer dahinter steckt. Für mich ist das ein mutmachender Satz: So Gott will und wir leben, werden wir dies oder das tun. Welchen Herausforderungen wir auch 2026 begegnen werden oder welche schon da sind - positiver oder negativer Art – Gott wird sein Versprechen, Gutes und Segen in unserem Leben wirken zu lassen, durchsetzen. Vielleicht habe ich selbst Schuld oder Anteil an der einen oder anderen Herausforderung. Da dürfen wir lernen und uns entwickeln. Gleichzeitig heißt es nicht, dass unser Leben verwirkt ist, sondern dass wir aus Gnade es nochmal und nochmal und wieder nochmal versuchen können. Gott ist Barmherzigkeit, Gott schenkt Neuanfang.
So Gott will und wir leben. Wie auch immer das aussehen mag: Er stärkt mich gegen Enttäuschung, denn ich vertraue darauf, dass es sinnvoll ist, dass er mich stärkt, mich weiterbringt und er gibt mir Mut, fröhlich meinen Weg zu gehen.
Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen für das Jahr 2026, dass Sie Gottes guten Willen in Ihrem Leben entdecken, dass Sie fröhlich mit ihm Ihre Vorsätze leben können und seinen überreichen Segen.
Ihr Pfarrer Jonathan Gerber