Sommer – Sonne – Lebkuchen

    Designed by FreepikJedes Jahr am Ende der Sommerferien rumpelt man in den Supermarkt und wird daran erinnert, dass nach den Sommerferien vor Weihnachten ist. Die Regale und Verkaufsstände sind voll mit Lebkuchen, Spekulatius und anderem Weihnachtsgebäck. Es scheint, keiner kann‘s mehr abwarten. Jedenfalls sagt uns der

    Markt, dass jetzt das Angebot geschaffen werden muss. Angebot schafft auch Nachfrage. 

     

    Eine bedenkliche Kultur der Ungeduld entsteht. Unsere Wirtschaft, das Dienstleistungsdenken und das Konsumverhalten befördern diese Kultur. Just-in-time-Lieferungen vermeiden Lagerkosten, erhöhen aber auch den Druck und die Ungeduld gegenüber Zulieferern und Speditionen. Das Dienstleistungsdenken fördert die Annahme, ich zahle und bekom
    me die Dienstleistung, die ich mir vorstelle. Dass im Kindergarten Notbetreuung entsteht, weil Mitarbeiterinnen krank oder im Urlaub sind (was ihr gutes Recht ist), passt nicht in mein Konzept, weil ich mich darauf verlasse, dass mein Kind von A-Z betreut ist. Da keimt manchmal Ungeduld gegenüber den Kindergärten auf. Obwohl bei unserem Kindergarten eine überwältigende Mehrheit Verständnis für die Situation der Personals im Kindergarten hat. Wir haben die Erwartung, dass bestimmte Produkte immer und überall verfügbar sind. Wenn ein Produkt vor Ort nicht verfügbar ist, kaufe ich es halt schnell im Online-Store. Ich brauche es jetzt! Den Preis zahlen andere: z. B. Arbeitszeit der Zulieferer oder Verpackungsmüll.

    Es geht mir nicht darum, das alles schlecht zu reden. Mir geht es darum, bewusst zu beobachten, was unser Handeln mit unserem Verhalten macht. Denn ich glaube, Geduld ist eine Tugend. Abwarten können – ist eine Tugend. Nicht sofortige Befriedigung unserer Bedürfnisse – ist eine Tugend, die mir hilft auszuhalten, wenn es mal nicht läuft, wie ich es mir vorstelle. Und das reicht von: „Ein Produkt ist nicht verfügbar“, bis zu: „Ich muss aushalten, dass mir ein geliebter Mensch genommen wurde.“ Das bedeutet freilich nicht, dass ich da schon Profi drin wäre, aber Erkenntnis ist schließlich der erste Weg zur Besserung. 

    Ich glaube, dass die Ungeduld uns anfällig macht in Zeiten der Krisen. Dann nämlich, wenn wir nicht gelernt haben, abzuwarten, Geduld zu haben mit Gottes Eingreifen. Alles hat seine Zeit, schreibt schon der Prediger Salomo vor 3000 Jahren. Geduld zu haben und das Abwarten auf die rechte Zeit sind der Schlüssel zu einem resilienteren, ja glücklicherem Leben. Und diese Fähigkeit bekommen wir nicht in die Wiege gelegt. Wie ein guter Handwerker oder Musiker muss ich das einüben, Tag für Tag, in kleinen Schritten. Mit kleinen Übungen im Alltag werde ich gestärkt und immer fitter. So stärke ich meine Widerstandsfähigkeit gegen Zeiten der Anstrengung und Herausforderung. Die Liste lässt sich durch weitere kleine Situationen ergänzen. Der Apostel Paulus rät im Römerbrief 12,12: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

    Meine Übung war neulich im Auto:.

    • Es regnet; danke Gott, dass ich ein Dach über meinem Fahrzeug habe und nicht mit dem Fahrrad fahren muss.
    • Ich muss das Fallobst aufsammeln; danke Gott, dass ich einen Garten habe.
    • Ich bin abends erschöpft; danke Gott, dass es mir tagsüber nicht langweilig war.

    Ich lade Sie ein, immer wieder im Alltag so eine kleine Übung einzubauen. Gott stärke Sie.

    Jonathan Gerber

    Bild: (c) Designed by Freepik

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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