Die Schalkhäuser Vortragskreuze

    Nach der letzten Renovierung unserer Kirche Ende der 1990er Jahre geriet ich durch Zufall in die Abstellkammer des GemeindehauseVortragskreuzes und zog unter allerlei Gerätschaften die zwei stark beschädigten Vortragskreuze hervor, die heute wieder ihren Platz in der Kirche gefunden haben. Damals hingen am schwarz gefassten rechten der beiden Kreuze noch die Reste schwarzer Bänder und zeigten, dass dieses Kreuz bei Beerdigungen

    als Vortragskreuz gedient hatte, bevor es durch das jetzt benutzte metallene Vortragskreuz von Pfarrer Martin Zorn ersetzt worden war. Es war klar, dass ein erheblicher Aufwand nötig sein würde, um diese Kreuze zu restaurieren.

    Ein zweiter Zufall förderte in der alten Registratur des Pfarrhauses den Heiligen Geist in Form einer in Gold gefassten Taube zutage, die den TaubeSchalldeckel unserer alten Kanzel von unten geziert hatte, ehe diese bei der vorletzten Renovierung unserer Kirche Ende der sechziger Jahre etwas lieblos „entsorgt“ worden war. Natürlich war auch die Taube stark beschädigt, vor allem der Strahlenkranz war abgebrochen oder fehlte ganz.

    Wer konnte da weiterhelfen? Ich erzählte Pfarrer Remshard aus Dietenhofen von meinen Funden und der wusste Rat. Selbst ein aus gezeichneter Holzsschnitzer, der schon manche fränkische Kirche mit seinen Werken ausgeschmückt hatte, erklärte sich spontan bereit, unsere doch recht ramponierten Funde zu ergänzen, und das auch noch kostenlos! Und die Kirchenmalerin Felicitas Frank-Oberhäußer aus der Schalkhäuser Straße übernahm die farbliche Gestaltung von Vortragskreuzen und Taube. Das Ergebnis war eine gelungene Wiederherstellung, wie wir sie alle kennen. 

    Aber nun die Frage des Wohin. Auch da herrschte schnell Einigkeit. Die Vortragskreuze wurden links und rechts zu Beginn des Chorraumes positioniert, nachdem Kirchenvorstand Fritz Stamminger die entsprechenden Halterungen angefertigt hatte. Aber die Taube! Der Schlussstein des Chorgewölbes schien uns der richtige Ort zu sein. Glücklicherweise verfügte die Firma Blach in Ansbach über die geeignete Hebebühne mit entsprechender Höhe, und die Vortragskreuz neuKirchentür war gerade so weit, dass das Gerät auch hindurchpasste. Doch wer lässt sich in die Höhe liften, um die Taube zu befestigen? Ein Profi musste her, schon aus Versicherungsgründen. Schreinermeister Erwin Enzner erklärte sich bereit, mit Bohrmaschine und Befestigungsmaterial die Hebebühne zu besteigen und die Taube in luftiger Höhe zu montieren. Alle waren erleichtert, als die Taube glücklich oben angebracht war.

    Zurück zu unseren Vortragskreuzen. Sie stammen wohl aus der Barockzeit, aus dem 18. Jahrhundert. Darauf weist auch die Darstellung eines Totenkopfes auf der Rückseite des rot gefassten Kreuzes hin. Die Menschen sollten – bei aller Prachtentfaltung jener Zeit – auch immer an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert werden. Memento mori – Erinnere dich des Todes – war ein immer wiederkehrendes Motiv des Barock, das natürlich sehr gut auf die Rückseite eines Vortragskreuzes passte und damit bei Beerdigungen den Trauernden vor Augen stand. Die Frage, wann oder wie die Vortragskreuze in unsere Kirche kamen, muss leider, mangels entsprechender Unterlagen vor Ort, unbeantwortet bleiben. Hauptsache, sie haben wieder einen passenden Platz in unserer Kirche gefunden.

    Erich Elsenbruch

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