Es gibt keinen Weg zurück

    easter g56e1eb880 640Liebe Leserinnen und Leser,
    worum geht es an Ostern? Um das Ganze, um unser Leben. Dazu habe ich ein paar Gedanken gefunden: „Adam, wo bist du?“ Besorgt ist Gott im Garten Eden auf der Suche nach Adam und Eva. Sie haben sich versteckt wie Kinder, die etwas ausgefressen haben. Ein schlechtes Gewissen plagt sie. Sie haben Gottes einzige Vorschrift im Paradies nicht eingehalten. „Adam, wo bist du?“ Der sorgenvolle Klang dieser Worte ist berechtigt. Gott ahnt: Ich habe den Menschen

    verloren. Adam und Eva haben ihr Bleiberecht im Paradies verspielt.

    Szenenwechsel: Ein Garten in der Morgensonne. Im Garten ein Mann und eine Frau. Sie dreht ihm den Rücken zu. Er spricht sie an: „Frau, warum weinst du, wen suchst du?“ Sie wendet sich nur kurz um. Der Fragende scheint nicht der Gesuchte zu sein. Der aber spricht sie nochmals an: „Maria!“ Der Mann weiß, wen er vor sich hat. Da fällt es der Angesprochenen wie Schuppen von den verweinten Augen. Sie fällt vor dem Mann nieder und umklammert ihn. Er ist der Gesuchte.

    Im Paradies hat Gott den Menschen verloren und sucht ihn. Im Garten am Ostermorgen sucht der Mensch den verlorenen Gott – und findet ihn. Es klingt so, als würde sich der Kreis schließen, alles wird wieder gut.
    Aber der Gesuchte – Jesus, der Auferstandene – zerstört das Bild. Er wehrt Maria ab! Das ist nicht das Paradies. „Halte mich nicht fest!“, und: „Geh!“, sagt Jesus. Er stellt Maria wieder auf die Füße und schickt sie fort. Geh! Und auch er selbst ist im Begriff zu gehen – „zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“.

    Maria lässt sich ohne Widerworte fortschicken, sie tut, was Jesus ihr sagt. Sie hat verstanden, was Auferstehung bedeutet. Auferstehung ist kein Weg zurück in das, was war, sondern ein Weg nach vorn – das ist die Osterbotschaft.

    Ostern macht Mut, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen: Es geht. Wir schaffen das. Wer nur die angeblich gute Zeit herbeiwünscht, wer nur Grenzen zieht, der glaubt noch nicht an die Auferstehung, der traut sich zu wenig zu, der muss noch erwachsen werden.

    Das Paradies ist geschlossen. Da ist die Bibel eindeutig. Und daher sollten wir vorsichtig sein, wenn uns Paradiese versprochen und Wege dorthin angepriesen werden. Es scheint bisweilen verlockender, aus der Wirklichkeit auszusteigen, als sich ihr zu stellen. Doch jeder vermeintliche Schritt ins Paradies ist ein Rückschritt. Das Früher kommt nicht wieder, sondern die Zukunft kommt. Die gilt es zu gestalten – durch uns und miteinander.

    Bleib nicht stehen, sondern geh nach vorn! Jesus, der Auferstandene, und Maria, die von ihm Erstüberzeugte, gehen uns voran. Folgen wir ihnen.

    Lebendigmachende Ostern und Auferstehung ins Leben wünscht Ihnen

    Ihr Pfarrer Jens Porep

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