Künstler durch und durch

    (c) Evang. Kirchengemeinde - Logo KigaNähert man sich von Westen her unserem Kindergarten, fällt schon von weitem auf der Außenwand die Darstellung dreier spielender Kinder auf, als Flachreliefs aus Dyckerhoff-Weißzement gegossen, stark stilisiert zu einer Spielgruppe zusammengestellt und pastellfarben getönt, als Logo

    für den Kindergarten bestens geeignet.

    Im Eingangsbereich dagegen leuchtet dem Besucher eine Wand mit 29 Keramikplatten entgegen, farbenfroh mit bekannten Tiermotiven gestaltet und als starker Gegensatz zur eher nüchternen „Logo-Darstellung“ gedacht. Sie spiegeln ein wenig von der Bandbreite im Schaffen des Künstlers Günter Wittbold wider, dessen Werk sich nicht in der „Kunst am Bau“ erschöpfte, wie sie von ihm vielfach in Ansbach zu finden war. Und unseren Gemeindebrief ziert als Kopfleiste seine feine Federzeichnung mit der Schalkhäuser Kirche als Mittelpunkt. Sein Schalkhausenlied – vertont von Helmut Pferdmenges – wurde zu einer kleinen Liebeserklärung an Schalkhausen (Siehe Homepage der Kirchengemeinde),

    Nach dem 2. Weltkrieg, den er von 1941-45 als Jagdflieger mitgemacht hatte, studierte Wittbold an der KunstakademieNürnberg Grafik-Design und war in Ansbach als freischaffender Künstler tätig. 1973 begann er mit seinem Hausbau Am Finkenbuck, und so wurden wir Nachbarn. Da er ein sehr mitteilsamer Mensch war, fanden laufend Gespräche über den Zaun statt. Es war für uns spannend, seine Arbeit von der Idee bis zu ihrer fertigen Form zu verfolgen. Im Eigentümer des Hotels „Riesengebirge“ in Neuhof an der Zenn fand Wittbold seinen idealen Auftraggeber: Er gestaltete ganze Wände des Hotels unter anderem mit Motiven aus dessen schlesischer Heimat.

    Die schweren Keramikplatten mussten dabei vom Finkenbuck zum Brand in die Töpferei Seiler in (c) Evang. Kirchengemeinde - G WittboldLeutershausen und anschließend ohne Beschädigung an den Zielort gebracht werden, wo sie eingebaut wurden. Spannend war immer, ob der Brand – teilweise bis zu dreimal bei 1.000°C gebrannt – auch farblich gelingen würde.

    Als begeisterter Segler – er war Mitbegründer des Yachtclubs Ansbach, baute Segelboote und nahm an Segelregatten teil – setzte er sich für den Scheerweiher als Wassersportgebiet ein, was aber mit dem Naturschutz nicht vereinbar war. Er erhielt vielfach Auszeichnungen für seine Arbeiten und 1985 einen internationalen Kunstpreis als verdiente Anerkennung für sein Gesamtwerk. Erfreulich, dass er in seiner Wahlheimat Ansbach nicht vergessen ist: Als „Wittbold, Günter“ findet sich ein Artikel über ihn im 2023 erschienenen „Ansbach-Lexikon 2“, dem ich einige Hinweise für diese Arbeit verdanke.

    Erich Elsenbruch

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