love died cross thorns crown heart bible shadowLiebe Leserin, lieber Leser,
wir befinden uns im Kirchenjahr gerade in einer sehr intensiven Phase: mitten in der Passionszeit. Christen, die ihren Glauben bewusst leben, haben in dieser Zeit ganz besonders den Weg von Jesus Christus vor Augen: sein Leben, sein Leiden und Sterben am Kreuz. In vielen Gemeinden – auch in Schalkhausen – helfen neben den sonntäglichen Gottesdiensten die Passionsandachten zur Besinnung.

In wenigen Tagen – nachdem Sie diesen

Gemeindebrief erhalten haben – beginnt die Karwoche mit dem Palmsonntag. Sie findet ihren Höhepunkt – oder soll ich besser sagen: ihren Tiefpunkt? – im Karfreitag, dem Gedenktag des Todes Jesu. Die Feier dieses Tages geschieht noch im Bedenken des Todesleidens von Jesus. Solches Feiern wäre aber trostlos, wenn wir nicht vom Licht der Auferstehung wüssten. Ostern scheint schon in den Karfreitag herein. Ohne Karfreitag gäbe es aber auch kein Ostern. Beide gehören unauflöslich zusammen.

Der christliche Glaube hat seinen Grund in dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus. Jesus ist der von Gott gekommene Sohn und Knecht Gottes, dessen Weg schon im Ersten oder Alten Testament verheißen ist. Die geheimnisvollen Prophetenworte in Jesaja 53 weisen auf diesen Weg Jesu hin und können auch uns aufschließen, wofür und wozu Jesus gestorben und auferstanden ist, nämlich: für uns, also für Sie und für mich.

Denn das ist das Evangelium, dass Jesus Christus nicht nur an und für sich von Gott gekommen ist. Sondern dass er für uns, und damit auch für Sie und für mich gekommen ist, gelebt und gelitten hat, gestorben und auferstanden ist, um uns mit Gott zu verbinden. Wer diesem Evangelium vertraut, ist im Frieden mit Gott.

In folgendem berichteten Geschehen ist das eindrücklich überliefert: Ein Segelschiff war auf seiner Fahrt von Bremen nach Valparaiso unterwegs. Die Hälfte der Route war gerade zurückgelegt, als der Kapitän schwer krank wurde. Als der Kapitän, Peter Jensen, spürte, dass er nicht wieder gesund werden würde, ließ er den ersten Steuermann rufen und empfing ihn mit den Worten: „Mit mir geht es zu Ende. Ich werde den Hafen nicht mehr erreichen. Aber wie komme ich in den Hafen bei Gott? Sagen Sie mir doch, was ich machen soll!“ Der Steuermann antwortete ratlos: „Kapitän, das weiß ich auch nicht. Ich habe immer meine Pflicht getan, aber um Gott und solche Dinge habe ich mich nicht gekümmert!“

Auch der zweite Steuermann und die anderen Besatzungsmitglieder konnten dem Kapitän nicht raten und helfen. Als letzter wurde der Schiffsjunge gerufen. „Karl Müller, hast du eine Mutter zu Hause?“ fragte der Kapitän. „Jawohl, Herr Kapitän.“ – „Hat sie dich beten gelehrt?“ – „Jawohl, Herr Kapitän. Und als ich abreiste, hat sie mir eine Bibel geschenkt!“ – „Hast du die Bibel hier, Junge?“ – „Jawohl, Herr Kapitän. Und ich habe meiner Mutter versprochen, täglich darin zu lesen.“ – „Hol die Bibel, Junge, und lies mir etwas daraus vor, das zum Sterben hilft!“

Der Schiffsjunge holte seine Bibel und las Jesaja 53 vor. Beim fünften Vers stockte er und fragte: „Herr Kapitän, darf ich den Vers so lesen, wie ihn meine Mutter mich lesen lehrte?“ – „Ja, lies!“ Da las der Junge: „Aber er ist um Karl Müllers Missetat willen verwundet und um Karl Müllers Sünde willen zerschlagen. Karl Müllers Strafe liegt auf ihm, auf dass Karl Müller Frieden hätte, und durch seine Wunden ist Karl Müller geheilt!“ – „Halt!“ rief der Kapitän und richtete sich mühsam auf. „Das ist es, was ich brauche. Lies den Vers noch einmal und setze meinen Namen ein!“ Der Schiffsjunge las: „Aber er ist um Peter Jensens Missetat willen verwundet und um Peter Jensens Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass Peter Jensen Frieden hätte, und durch seine Wunden ist Peter Jensen geheilt!“ Der Kranke ergriff das Heil und bat Gott um seinen Beistand. So fand der Kapitän doch noch den Weg in den Hafen, den Hafen des Friedens.
Eine gesegnete Passions- und österliche Freudenzeit wünscht Ihnen von Herzen
Ihr Pfarrer Reinhold Pfindel