(c) Albert SchweizerHaben Sie den Herrn auf dem Bild auf Anhieb erkannt, liebe Leserin, lieber Leser? Vielleicht ist er bekannter auf den Abbildungen mit Tropenhelm. Den Spuren dieses Mannes sind meine Frau und ich während unserer Urlaubswoche im August im Elsass neu begegnet. Ganz besonders in seinem Geburtsort Kaysersberg bei Colmar. Sein Andenken scheint zu verblassen, sein Lebensanliegen ist unvermindert topaktuell. Bekannt geworden und heute nicht mehr ganz so bekannt als „Urwalddoktor“

von Lambarene/Gabun auf dem afrikanischen Kontinent und als Träger des Friedensnobelpreises. Er ist ein früher Vertreter einer ökologischen Ethik. Ein zentraler Satz für Schweitzers Ethik lautet: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Wer sich dies klar mache, so Schweitzer, könne nichts anders, als anderes Leben zu respektieren und ihm mit Ehrfurcht zu begegnen. „Ehrfurcht vor dem Leben“ – das ist, was wir bitter nötig haben in unserer Gegenwart. Millionenfach wird Leben misshandelt und gewalttätig zerstört. Oder seine Zerstörung teilnahmslos hingenommen. Hassreden, ob in den sozialen Medien, im Internet oder in der direkten Begegnung, roher und rüpelhafter Umgang mit einander scheinen zuzunehmen. Eine neue Achtsamkeit für das Leben ist nötig: für unsere Umwelt ganz allgemein, das leuchtet uns ein angesichts von Natur- und Klimaphänomenen, die uns Sorge machen. Aber auch für das menschliche Leben
im Besonderen. Für den Lebensschutz schon am Anfang des menschlichen Lebens, vor der Geburt, ebenso wie am Ende. Und für die ganze Spanne dazwischen. Respekt vor dem Leben in seiner Vielfalt. Respekt vor dem Anderen. Eine neue Achtsamkeit für das Leben beginnt schon in unserem Denken, in unserem Herzen, in unserer Welt-Anschauung. Und sie setzt sich fort in den Worten, die wir finden, und in unserem Handeln. Christlicher Glaube wurzelt in dem Vertrauen, dass die Ehrfurcht vor Gott, unserem Schöpfer, der Anfang der Weisheit ist. Und dass wir in Jesus Christus zugleich das beste Vorbild und die Kraftquelle haben für eine Lebenseinstellung, in der die „Ehrfurcht vor dem Leben“ wesentlich ist.
Die Ehrfurcht vor dem Leben will eingeübt werden im täglichen Leben, im täglichen Umgang miteinander, im Leben in unserer Umgebung. Die Ehrfurcht vor dem Leben will auch bewährt werden in besonderen Situationen wie etwa in der  Landtagswahl am 14. Oktober. Das ist wohl gar nicht so einfach. Nach bestem Wissen und Gewissen gilt es unter einer Reihe von Möglichkeiten zu entscheiden, wem ich meine Stimme(n) gebe. Und ich entscheide auch, wem ich meine Stimme keinesfalls geben kann, weil der Respekt vor dem Leben fehlt.
Eine im breiten öffentlichen Bewusstsein weniger wichtig erscheinende Wahl gibt es im Oktober auch noch: In unserer Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern findet am 21. Oktober die Kirchenvorstandswahl statt. Für uns als Kirchengemeinde ist diese Wahl sehr wichtig. Ich freue mich, dass sich in unserer Schalkhäuser Kirchengemeinde genügend Männer und Frauen als Kandidierende zur Verfügung gestellt haben. Und ich bitte alle wahlberechtigten Gemeindemitglieder, diese Bereitschaft der Kandidierenden wertzuschätzen, indem Sie an der Kirchenvorstandswahl teilnehmen und mit entscheiden, wie der Kirchenvorstand in den nächsten sechs Jahren zusammengesetzt sein wird.
Mit dem Wunsch, dass wir einander anspornen und ermutigen in der Praxis der Ehrfurcht vor dem Leben, grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Reinhold Pfindel